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Nicht in unserem Namen!

Es ist uns als Pirantifa, ein großes Anliegen uns von dem Twitteraccount „Piraten gegen Rechts“ welcher offenbar auch von Simon Lange benutzt wird, zu distanzieren. Keine*r aus der Gruppe Pirantifa, hat damit auch nur im Geringsten zu tun oder möchte auch nur ansatzweise damit zu tun haben. Dieser Account, welcher offenbar dazu benutzt wird, gegen Pirat*innen zu hetzen nutzt das alte Pirantifa Logo gegen unseren Willen und ohne unser Einverständnis. Wir verachten die Art und Weise, wie dieser Account benutzt wird und empfinden es als beleidigend gegenüber allen Pirat*innen, die sich tatsächlich gegen Rechts einsetzen.

Entschuldigung

von @_Robstar1988_

‚Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewusst zu sein.‘ -Thomas Carlyle

Viele Menschen haben mich Montag angefeindet, weil ich über den Twitter-Account der @PirAntifa eine Äußerung abgab, die nicht das ausdrückte, was ich ausdrücken wollte. Twitter war der falsche Weg dafür, das habe ich schmerzlich erfahren müssen.

Das tut mir von ganzem Herzen Leid!

Neben mir unbekannten Personen wie @nutellaberliner oder @netnrd, die mich selbst auch nicht kennen, habe ich damit vor allem Leute wie @skeptikaa und @kattenevare getroffen, die ich kennengelernt habe und sehr mag.

Als mit 6 Monaten recht junges Mitglied in der Piratenpartei sind mir nicht alle Dinge aus früherer Zeit bekannt. Gelegentlich höre ich Bruchteile eines BPT in Bremen und eines BPT in Halle. Ob dies Gründe für die immer noch in vielen Köpfen stattfindenden Flügelkämpfe sind, lässt sich für mich leider nur erahnen.

Ich wurde Mitglied in der Piratenpartei, als immer mehr rassistischer Mob durch die Straßen zog und ich, als vorher an Politik überhaupt nicht Interessierter, begann mir klar zu werden dass es das nicht sein kann. Das Mensch aufstehen muss und politisch für etwas kämpfen, um Dinge zu ändern. Aus Gründen!

Mein Interesse weckte die Partei schon zu Gründungszeiten und als ich die Piraten Chemnitz auf Demonstrationen gegen ‚Chemnitz wehrt sich‘ erlebte, gab es für mich keine andere Partei mehr. Mit Enthusiasmus und Engagement begann ich die Arbeit in meinem Kreisverband und wurde von allen gemocht und akzeptiert. Etwas tolles steckt in dieser Partei und ihren Mitgliedern und ich wollte mitarbeiten dies zu fördern. Ich gebe alles weil es mir das Wert ist. Weil die Piratenpartei mir das wert ist.

Meine Mitarbeit in meinem KV und Unterstützung in anderen KV’s, vor allem mein antifaschistisches Engagement, brachte mir bisher nur Lob ein. Es ist keine Demonstration von Pegida und Co. vergangen, zu der ich nicht auf Seiten von Chemnitz Nazifrei demonstriert habe oder mich in Sitzblockaden wieder fand.

Via Twitter las ich immer wieder Wörtchen wie linksbizarr oder linksextrem und lehnte diese sowie auch den Begriff Flügelkampf stehts ab. Ich verstand nicht wie in einer linken Partei jemand als ‚komisch links‘ betitelt werden kann und ich verstand nicht, wieso man nicht zusammen an allen Themen arbeitet, wie ich es aus meinem KV gewöhnt bin. Ohne Streitigkeiten.

Durch Twitter wurde ich von der PirantifaSLFRU zur Mumble-Sitzung der PirAntifa eingeladen und fand eine sich aufstellende Gruppe mit denen man sich in vielerlei Hinsicht austauschen konnte. Neben anderen z.B. nen wunderbaren @Korallenherz der mit seinem Engagement für Flüchtlinge meinen größten Respekt verdient und eine wunderbare @FrauMaja, die mit ihrer hippen Art als PolGF die Partei sicher wieder ein Stück cooler gemacht hätte.

Doch der BPT151 zeigte uns anderes. Als Mitglied, dass sich trotz ursprünglichem Eintrittsgrund dauerhaft mit allen Themen beschäftigte, bekam ich wie viele andere den Stempel mit diesem fucking Wort auf die Stirn und ich war so sauer darauf während ich mich fragte warum?! Was ist da nur passiert, dass antifaschistisches Engagement bei Piraten so wenig wertgeschätzt wird. Ich weiß es nicht aber ich finde es mehr als traurig. Wir wollten eine breite Beteiligung aller ermöglichen, die sich gegen Rechts engagieren. Es war ein großartiges Bild so viele Pirantifa-Tshirts zum BPT zu sehen. Doch unseren Platz in der Piratenpartei will man uns nicht gönnen.

Und genau aus diesem Frust heraus entstand der falsch formulierte Tweet. Ich bitte nochmals alle Mitglieder der früheren Pirantifa um Entschuldigung. Wir wollten ein next Level und man entgegnete uns mit einem Level One. Wegen etwas, was anscheinend früher mal war. Zu diesem Etwas wir nicht beigetragen haben, für das wir nichts können. Wir wollten lediglich ‚antifaschistische‘ PIRATEN sein. Die neue PirAntifa soll nicht das sein, wofür Gegner uns halten oder was Sie darin sehen.

Mit Nazis reden – NIE !

Zwei der Grundregeln für antifaschistische Pirat*innen sind:

1. Wir finden Nazis scheiße. IMMER.
2. Wir diskutieren nicht mit Nazis. NIE.

Im Laufe der Pegida Diskussion seit Beginn des Jahres kam uns immer wieder die gleichen Argumente zu Ohren: „Wir müssen die Ängste der Menschen ernst nehmen!“ und „Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten!“
Dazu kann man viel sagen. Oder einfach ‚…srsly?‘

Wir verstehen, wenn man mit Tante Erna oder Onkel Willi an der heimischen Kaffeetafel diskutiert, wenn diese mit rassistischen Vorurteilen um die Ecke kommen.

Aber wir verstehen nicht, wenn jemand mit offiziellen Vertretern von Pegidisten oder noch offener rechtextremen Nazis diskutieren will.

1. Nazis haben keine Angst, die man ihnen nehmen müsste. Sie verbreiten Hass.
2. Nazis verbreiten Hass in Form von Scheinargumenten und Vorurteilen. Lügen muss man nicht diskutieren.
3. Wer die Lügen dennoch diskutieren will, legitimiert sie dadurch, dass er sie Ernst nimmt.
Wir geben Hass und Lügen keinen Raum. Deshalb diskutieren wir nicht mit Nazis.

Wir wollten das nur mal klarstellen.

Sprache ist mehr als nur Worte auszusprechen

Dies ist ein Gastbeitrag von @Melanie_MP_

Ich möchte als Beispiel hier Pegida anführen, auch wenn die Entwicklung dieser „Bewegung“ mehr als nur einen oder wenige Gründe hat. Hier scheint es eine art Startschuss geben zu haben mit dessen Auswirkungen wir jetzt massiv zu tun haben, wie sich derzeit z.B. unter anderem in Freital zeigt.

Man kann noch sehr viel mehr über Pegida sagen aber mir geht es jetzt und hier hauptsächlich um Sprache und deren Gebrauch und daher ist Pegida hier wegen der Aktualität als Beispiel genutzt.

Hier gibt es außerdem noch einen Text mit Gedanken zu Pegida allgemein: Klick

Als Pegida sich formierte, waren wir alle überrascht.

Nicht darüber, dass Menschen Ängste haben, protestieren, sich ungerecht behandelt fühlen. Auch nicht darüber, das sich Nazis dies zunutze machten und versuchten, die Menschen in ihrem Interesse zu lenken.

Nein wir waren schon so weit, zu wissen, dass sich die Nazis wieder größer formieren, organisieren und versuchen den Fuß in jede Tür zu bekommen, die sich auch nur einen Spalt breit öffnet.

Was uns überraschte war die Masse an Menschen und die Tatsache, dass diese sich so bereitwillig vor einen Karren spannen ließen, den sie selbst als „Mitte“ und „Normal“ bezeichnen, eigentlich aber klar als Rechtsaußen einsortiert werden konnte.

„Man wird doch mal sagen dürfen“, „Immer gleich Nazikeule“ und „Ich bin ja nicht Rechts aber…“ hielten mit Pegida Einzug in Gespräche.

Relativieren ist seither kein Problem mehr und Menschen die auf Nazi-Rhetorik und rassistischen Aussagen aufmerksam machen, werden damit mal eben untergebügelt und als Spinner abgestempelt.

Aber bleiben wir bei Pegida und Co, und zwar bevor sich diese Gruppierungen viral ausbreiteten, gesteuert durch ein leider recht gut funktionierendes Netzwerk von Nazis.

Pegida war natürlich von Beginn an rassistisch geprägt. Aus Angst vor dem bedrohlichen Fremden gingen sehr viele Leute auf die Straße. Sie zogen auch allerlei Menschen mit sich, die auch irgendetwas wollten (oder nicht wollten) und wurden, wie gesagt, schnell von den Nazis instrumentalisiert.

Warum ging das so schnell und vor allem, warum war es so einfach und in diesem großen Rahmen möglich?

Warum hatten/haben die Menschen nicht sofort gemerkt, wer sich da den Schafspelz überwarf und die Herde anführte.? Warum folg(t)en so viele Menschen rechten Hetzern, schafsgleich und ohne ein Bewusstsein darüber, wie falsch sie falsch lagen?

Und nun sind wir wieder am Anfang des Textes.

Der Sprachgebrauch einer Gesellschaft prägt sie. Reden wir also z.B. von Flüchtlingen, so haben wir eher das Bild eines bedrängten Menschen in Not im Kopf. Bei

‚Asylant‘ sehen wir im Kopf schon Menschen die auf uns bedrohlich wirken und bei

‚Schmarotzer‘ sehen wir nicht mal mehr eine Person, sondern nur noch eine dreckige Bedrohung für unser eigenes Wohl.

Es ist immer dieselbe Person, aber je nachdem wie wir Sprache benutzen, verändert sie sich in unseren Köpfen. Aus einem Opfer, das unser Mitleid bekommt, wird erst jemand der uns unangenehm wird, und schließlich eine klare Bedrohung und Last.

Die Sprache und ihr Gebrauch sind nicht zu unterschätzen. Sie ist einer der Gründe für den Erfolg von Pegida und den Rechtsruck in unserer Gesellschaft.

Als ich noch jünger war, war jedem klar, dass man verschiedene Ausdrücke nicht nutzt. Eben weil sie das Dritte Reich so sehr prägten, dass im Kopf der Menschen eine direkte Verbindung dazu entsteht. Einige der klarsten Worte waren da z.B. „Endlösung“, „Entartung“, „Parasiten“ (in Bezug auf Menschen). Über kurze Sätze in denen „Heil“ vorkommt, brauch ich gar nicht zu schreiben, das ist auch heute noch je… den Meisten klar.

In den 80ern wurden dann die Stimmen immer lauter, die gerne die Vergangenheit hinter sich lassen wollten. War es doch die Generation vor uns oder vor unseren Eltern und nicht wir. Nazis gab es doch nicht mehr und wenn, dann nur wenige Außenseiter, die keiner ernst nahm.

Haben wir gedacht…

So denken aber komischerweise auch heute noch einige Menschen!

All die Übergriffe auf Flüchtlingsheime, NSU, Marschierende Horden und vor allem all die hohen Tiere, die nicht auf der Straße brüllen, sondern still Fäden ziehen und Geld geben. Das sind alles Ausnahmen und Randgruppe.

Und weil wir alle keine Nazis mehr sind und Rassisten auch nicht, ist es auch inzwischen total übertrieben auf Sprachgebrauch zu verzichten, der von Nazis geprägt wurde. Wir lassen uns doch nicht alles von den Nazis kaputt machen. Die Zeiten sind doch vorbei und müssen vergessen werden… #sarkasmushashtag

Kurze Frage. Wenn ein Uropa, sich am Ofen die Finger verbrennt und damit in der Familie weiter geben wird, dass man den Ofen nicht anfassen sollte, wenn er heiß ist, kann man dann als Urenkel einfach mal wieder an den heißen Ofen fassen, ohne sich die Finger zu verbrennen?

Klare Antwort: Nein, natürlich nicht. Egal wie lange es her ist als Uropa sich verbrannte, der Urenkel wird sich verbrennen. Aber warum sollte er denn so dumm sein und an den Ofen fassen? Der Uropa hat es doch schon getan und sich verbrannt und da müsste er es doch besser wissen…

Dummerweise waren die Eltern der Ansicht, es ist so lange her und Vergangenheit und es gibt kaum noch Öfen, da kann man ruhig vergessen… So hat es der Urenkel nicht gelernt und zack, verbrannte Finger.

Geschichte wiederholt sich. Wenn sie sehr schlimm war, dauert es eine Weile, bis sie sich wiederholt und zwar aus einem einfachen Grund: Sie muss soweit in Vergessenheit geraten, dass genug Menschen wieder dazu bereit sind, sie zu wiederholen.

Aber wie beginnt Geschichte in Vergessenheit zu geraten? Sie steht ja geschrieben und wird gelehrt!

Das ist soweit richtig und sie wird tatsächlich auch nicht vergessen, sondern verändert wahrgenommen. Was in den 1950ern noch ganz nahe an der Gegenwart war, greifbar, ist heute „nur noch“ Geschichte.

Je mehr Zeit vergeht, wird aus DER Geschichte EINE Geschichte. Ähnlich einem Roman.

Und das geht schneller, wenn man aktiv vergisst.

Wenn man vergisst (oder vergessen will oder wegschieben will), dass mancher Sprachgebrauch in einem bestimmten Zusammenhang (oder auch ohne Zusammenhang, je nachdem) eben an die Geschichte erinnert und es egal wird, dann gibt das dem Vergessen und dem Wiederholen einen Vorschub.

Manche wissen und beabsichtigen genau das, anderen ist es schlicht egal und wollen einfach nur nicht, dass alle gleich Nazi rufen und wieder andere sehen die Gefahr und machen darauf aufmerksam.

Das ist für die Ersteren störend, weil es ihr Ziel untergräbt und für die Zweiteren störend, weil sie nicht möchten das sie mit den Ersteren in einen Topf geworfen werden. Sie möchten die unschöne Geschichte einfach nur vergessen und unbefleckt sein dürfen.

Das Bewusstsein, mit dem Vergessen dazu beizutragen, dass eine Wiederholung der Geschichte erleichtert wird, haben sie nicht. Einige wollen dieses Bewusstsein auch nicht haben, weil es unbequem ist. Das macht sie weder zu Nazis, noch zu schlechteren Menschen, aber es macht sie zu Helfern, ohne dass sie bewusst darauf abzielen.

Diesen Schuh will sich aber auch wieder niemand anziehen.

Es ist also schwer, Menschen zu vermitteln, dass sie auch im Sprachgebrauch eine Verantwortung tragen, und dass eben dieser Folgen hat, die nicht unmittelbar greifbar sind, aber schleichend einen Prozess unterstützen.

Dass dieser Prozess schon in vollem Gang ist, das führte uns Pegida sehr deutlich vor Augen.
Auch wenn man diese noch so fest verschließen will.

Wir sollten also auf unseren eigenen Sprachgebrauch achten und Sprache als einen wichtigen Teil unseres Lebens in einer Gemeinschaft erkennen. Dazu gehört für mich auch, andere Aufmerksam zu machen, wenn sie, inzwischen sicher auch oft unbewusst, Rhetorik verwenden, die von Nazis geprägt wurde. Das Vergessen hat längst begonnen, wir müssen uns an das Erinnern erinnern.

Pegida – Ein Versuch, einer Betrachtung.

Vorbemerkung: Dieser Text wurde Anfang Februar 2015 verfasst, hat also den Kenntnisstand dieses Zeitpunktes.

Pegida – ein leidiges Thema, dass sich auf deutschen Straße gerade totzulaufen scheint.
Da wird das, was „Volk“ dazu bringt, unter der Fahne von Pegida zu marschieren nicht verschwinden.

Ein Versuch, einer Betrachtung.

Inspiriert wurde diese Betrachtung durch den Vortrag und die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Pegida – neue Tendenzen in unserer Gesellschaft?“ welche am 29.01.2015 in Braunschweig stattfand. Dieser Text enthält keine Zitate von Prof. Hajo Funke, Prof. Nils Bandelow oder von Detlef Kunkel, sondern nimmt Aussagen als Denkanstöße.

Links zur Diskussion:
Teil 1
Teil 2

„Seit Wochen demonstrieren zunächst in Dresden inzwischen aber auch in anderen Städten Menschen gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“. Fakten spielen dabei keine Rolle.
Was steckt hinter der öffentlichen Darstellung der Ablehnung und wer initiiert sie?
Scheinbar kommt ein großer Teil der TeilnehmerInnen aus der Mitte der Gesellschaft.“

(Aus der Einleitung der Veranstaltung)

Dieses „aus der Mitte der Gesellschaft“ hatte für die Demonstration in #Dresden tatsächlich einen gewissen Wahrheitsgehalt. Strömten doch in der Spitze der Bewegung zigtausende Bürger zu den montäglich stattfindenden „Spaziergängen“.

Die Organisator*innen der „Bewegung“ gerierten sich als brave Bürger, die einzig und allein die Sorge auf die Straße trieb, dass die da Oben ihre Sorgen und Nöte nicht verstehen. Man sei auf keinen Fall ausländerfeindlich oder rassistisch, fühle sich von denen da Oben einfach nur im Stich gelassen und habe große Angst vor einer Islamisierung des Abendlandes, die schlussendlich (z.B.) darin münde, dass der Weihnachtmarkt nicht mehr Weihnachtsmarkt heißen dürfe.

Natürlich, ist die Fokussierung auf den Islam reine Willkür. Es entspricht einer uralten (deutschen) Tradition, geprägt durch tiefe Autoritätsgläubigkeit, eines nicht überwundenen Minderwertigkeitskomplexes sowie des bedingungslosen Glaubens an den Sozialdarwinismus, in ihrer gefühlten Ausweglosigkeit, ihrer Angst vor dem drohenden Abstieg einen Sündenbock für ihre „Misere“ zu suchen und schlussendlich zu finden.

Der Großteil der Menschen, die in Dresden auf die Straße gingen, hat den Glauben an die Demokratie, den Parteien, und sämtlichen „westliche Werte“-Institutionen verloren.

Tagtäglich wird ihnen vorgespielt, dass sie nur genug wollen und sich anstrengen müssen, um etwas für sich und ihre Familien zu erreichen. Erreichen sie dies nicht, sind sie zu schwach, werden arbeitslos oder können von HartzIV leben.

Nur zu bereitwillig scharen sie sich hinter (größtenteils) starke Männer, Rechtspopulisten, die ihnen eine Stimme gegen die da Oben verschaffen, die es vermögen, Ihresgleichen auf die Straße zu bringen. In dieser Masse lassen Sie dann ihren Unmut über die da Oben freien Lauf, sie treten mutig mit noch so obskuren Meinungen vor die Kamera um diese im Anschluss als „Lügenpresse“ zu diffamieren. Sie verhalten sich ferner aggressiv gegenüber Andersdenkende, die sie in einem Gefühl der Macht mit „Platzverweisen“ belegen. Platzverweise die auch gegen Journalisten ausgesprochen werden, die dann auch, wie in Braunschweig geschehen, als „Judenpresse“ bezeichnet werden.

Masse verleiht ihnen das Gefühl, von denen da Oben vielleicht doch ernst genommen zu werden. Masse kanalisieren sie in einen Begriff, den sie VOLK nennen. Sie wissen, dass sie im Grunde nur durch die ANGST des Verlustes, des Abstieges geeint sind und bedienen sich neben dem Begriff des VOLKES (Wir sind das Volk) eines nur scheinbar überwundenen NATIONALISMUS. Dieser auf die Straße getragene „MUT“ ermutigt Rechtsaußen Aggression gegen ANDERE offensiv zu verfolgen, so dass festzustellen ist, dass Taten mit rechtem Hintergrund in Folge von #pegida stark gestiegen sind.

Vergleichbar ungefähr mit der Situation Anfang der 1990iger die schlussendlich zu einer ersten Verschärfung des Asylrechts führte.

NATIONALISMUS beziehungsweise nationalsozialistisches Gedankengut ist in dieser Gesellschaft aufgrund der bedingungslosen Niederlage nach dem zweiten Weltkrieg schlecht konnotiert. Sie kleiden den Nationalismus, ihre Fremdenangst, in einen sogenannten „Europäischen Patriotismus“, welcher aber im Grunde nichts anderes meint als Nationalismus, der nach dem Muster der VOLKszugehörigkeit klar regelt, wer dazugehört, und wen es gilt draußen zu lassen.

Ebenfalls unter dem Eindruck der Geschichte gibt man sich betont Israel und Judenfreundlich.

Als jedoch die Unterstützung der jüdischen Gemeinde für #pegida ausblieb, entblödete man sich mit folgender Feststellung, die gleichzeitig den (verborgenen) Antisemitismus deutlich macht.

„Wir sind nicht antisemitisch, aber wenn die jüdische Gemeinde uns nicht unterstützt, dann leistet die jüdische Gemeinde dem Antisemitismus Vorschub“.

Pegida ist keine homogene „BEWEGUNG“. Deutlich werden die Unterschiede nicht nur wenn man die Beweggründen für die Teilnahme an der #pegida in Dresden erfragt, deutlicher wird es, wenn die einzelnen ´gidas miteinander verglichen werden.

2/3 der Teilnehmer der #Bragida (Braunschweig gegen …) waren den Beobachtern zufolge bekannte, bereits straffällig gewordenen, Rechtsextreme, von denen sich die sogenannten Bürgerlichen nicht abzugrenzen vermochten, sondern nun, abgespalten von der eigentlichen Stoßrichtung (gegen Islamisierung) plötzlich etwas für „direkte Demokratie“ zu tun beabsichtigen und NEBEN dem eigentlichen Termin einen eigenen Termin ins Leben riefen.

Deutlich wird, dass nach dem Wegbrechen der Führung (Bachmann etc., nicht näher darauf eingehend) auch die Bewegung selbst zu eruieren „droht“. Anders als in Österreich, den Niederlanden oder Frankreich fehlt es in Deutschland an einer Person, die dauerhaft das Verlangen eines großen Teiles der Bevölkerung nach, nennen wir es vorsichtig „RECHTSPOPULISMUS“, bedienen, sie führen kann.

Undenkbar wäre es in den (als Beispiel) genannten Staaten, dass ein RECHTSPOPULIST zurücktritt. Vielmehr hätte er es in den Ländern geschafft, die gegen ihn gerichtete Aggression in eine Gegenaggression umzumünzen. Einen Angriff auf seine Person als Angriff auf die „BEWEGUNG“ umzudeuten. Das „fehlt“ in Deutschland, noch.

Was aber in jedem Fall ein Ergebnis von Pegida ist, ist der Versuch, oder besser der schon als gelungen anzusehende Versuch, der AFD, sich als legitime Vertreter der ´gidas zu präsentieren. Abgefragt nach der Wahlpräferenz liegt die AFD bei diesen Menschen inzwischen bei fast 90%.

Dies bedeutet, dass zukünftig, Pegida, durch die „Hintertür“, mit einer starken parlamentarischen Kraft repräsentiert werden wird.

Des Weiteren versuchen die bürgerlichen Parteien (und hier muss man eindeutig auch die SPD dazu zählen) die Themen der Menschen, ihre Ängste, ernst zu nehmen.

Es wäre angebrachter, dass man die Menschen „respektiert“, aber ihnen ganz klar zu verstehen gibt, das ihre Themen, ihre Meinung einfach „bullshit“ sind. Dies geschieht weitgehend nicht.

Pegida mag von den Straßen verschwinden. Pegida machte jedoch deutlich, welches Gedankengut in den Köpfen der Menschen vorhanden ist. Pegida zeigt weiter, dass eine (deutsche) Bewegung erst am Ende ist, wenn ihre Führung verschwindet, sich zerstreitet. Pegida zeigt, dass ein charismatischer RECHTSPOPULIST es in Deutschland vermag, mit egal welchem Thema (hier ISLAM) eine heterogene rechtskonservative, nationalistische, xenophobe, homophobe und antisemitische zu einen.

QUO VADIS?

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