Pegida – Ein Versuch, einer Betrachtung.

Vorbemerkung: Dieser Text wurde Anfang Februar 2015 verfasst, hat also den Kenntnisstand dieses Zeitpunktes.

Pegida – ein leidiges Thema, dass sich auf deutschen Straße gerade totzulaufen scheint.
Da wird das, was „Volk“ dazu bringt, unter der Fahne von Pegida zu marschieren nicht verschwinden.

Ein Versuch, einer Betrachtung.

Inspiriert wurde diese Betrachtung durch den Vortrag und die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Pegida – neue Tendenzen in unserer Gesellschaft?“ welche am 29.01.2015 in Braunschweig stattfand. Dieser Text enthält keine Zitate von Prof. Hajo Funke, Prof. Nils Bandelow oder von Detlef Kunkel, sondern nimmt Aussagen als Denkanstöße.

Links zur Diskussion:
Teil 1
Teil 2

„Seit Wochen demonstrieren zunächst in Dresden inzwischen aber auch in anderen Städten Menschen gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“. Fakten spielen dabei keine Rolle.
Was steckt hinter der öffentlichen Darstellung der Ablehnung und wer initiiert sie?
Scheinbar kommt ein großer Teil der TeilnehmerInnen aus der Mitte der Gesellschaft.“

(Aus der Einleitung der Veranstaltung)

Dieses „aus der Mitte der Gesellschaft“ hatte für die Demonstration in #Dresden tatsächlich einen gewissen Wahrheitsgehalt. Strömten doch in der Spitze der Bewegung zigtausende Bürger zu den montäglich stattfindenden „Spaziergängen“.

Die Organisator*innen der „Bewegung“ gerierten sich als brave Bürger, die einzig und allein die Sorge auf die Straße trieb, dass die da Oben ihre Sorgen und Nöte nicht verstehen. Man sei auf keinen Fall ausländerfeindlich oder rassistisch, fühle sich von denen da Oben einfach nur im Stich gelassen und habe große Angst vor einer Islamisierung des Abendlandes, die schlussendlich (z.B.) darin münde, dass der Weihnachtmarkt nicht mehr Weihnachtsmarkt heißen dürfe.

Natürlich, ist die Fokussierung auf den Islam reine Willkür. Es entspricht einer uralten (deutschen) Tradition, geprägt durch tiefe Autoritätsgläubigkeit, eines nicht überwundenen Minderwertigkeitskomplexes sowie des bedingungslosen Glaubens an den Sozialdarwinismus, in ihrer gefühlten Ausweglosigkeit, ihrer Angst vor dem drohenden Abstieg einen Sündenbock für ihre „Misere“ zu suchen und schlussendlich zu finden.

Der Großteil der Menschen, die in Dresden auf die Straße gingen, hat den Glauben an die Demokratie, den Parteien, und sämtlichen „westliche Werte“-Institutionen verloren.

Tagtäglich wird ihnen vorgespielt, dass sie nur genug wollen und sich anstrengen müssen, um etwas für sich und ihre Familien zu erreichen. Erreichen sie dies nicht, sind sie zu schwach, werden arbeitslos oder können von HartzIV leben.

Nur zu bereitwillig scharen sie sich hinter (größtenteils) starke Männer, Rechtspopulisten, die ihnen eine Stimme gegen die da Oben verschaffen, die es vermögen, Ihresgleichen auf die Straße zu bringen. In dieser Masse lassen Sie dann ihren Unmut über die da Oben freien Lauf, sie treten mutig mit noch so obskuren Meinungen vor die Kamera um diese im Anschluss als „Lügenpresse“ zu diffamieren. Sie verhalten sich ferner aggressiv gegenüber Andersdenkende, die sie in einem Gefühl der Macht mit „Platzverweisen“ belegen. Platzverweise die auch gegen Journalisten ausgesprochen werden, die dann auch, wie in Braunschweig geschehen, als „Judenpresse“ bezeichnet werden.

Masse verleiht ihnen das Gefühl, von denen da Oben vielleicht doch ernst genommen zu werden. Masse kanalisieren sie in einen Begriff, den sie VOLK nennen. Sie wissen, dass sie im Grunde nur durch die ANGST des Verlustes, des Abstieges geeint sind und bedienen sich neben dem Begriff des VOLKES (Wir sind das Volk) eines nur scheinbar überwundenen NATIONALISMUS. Dieser auf die Straße getragene „MUT“ ermutigt Rechtsaußen Aggression gegen ANDERE offensiv zu verfolgen, so dass festzustellen ist, dass Taten mit rechtem Hintergrund in Folge von #pegida stark gestiegen sind.

Vergleichbar ungefähr mit der Situation Anfang der 1990iger die schlussendlich zu einer ersten Verschärfung des Asylrechts führte.

NATIONALISMUS beziehungsweise nationalsozialistisches Gedankengut ist in dieser Gesellschaft aufgrund der bedingungslosen Niederlage nach dem zweiten Weltkrieg schlecht konnotiert. Sie kleiden den Nationalismus, ihre Fremdenangst, in einen sogenannten „Europäischen Patriotismus“, welcher aber im Grunde nichts anderes meint als Nationalismus, der nach dem Muster der VOLKszugehörigkeit klar regelt, wer dazugehört, und wen es gilt draußen zu lassen.

Ebenfalls unter dem Eindruck der Geschichte gibt man sich betont Israel und Judenfreundlich.

Als jedoch die Unterstützung der jüdischen Gemeinde für #pegida ausblieb, entblödete man sich mit folgender Feststellung, die gleichzeitig den (verborgenen) Antisemitismus deutlich macht.

„Wir sind nicht antisemitisch, aber wenn die jüdische Gemeinde uns nicht unterstützt, dann leistet die jüdische Gemeinde dem Antisemitismus Vorschub“.

Pegida ist keine homogene „BEWEGUNG“. Deutlich werden die Unterschiede nicht nur wenn man die Beweggründen für die Teilnahme an der #pegida in Dresden erfragt, deutlicher wird es, wenn die einzelnen ´gidas miteinander verglichen werden.

2/3 der Teilnehmer der #Bragida (Braunschweig gegen …) waren den Beobachtern zufolge bekannte, bereits straffällig gewordenen, Rechtsextreme, von denen sich die sogenannten Bürgerlichen nicht abzugrenzen vermochten, sondern nun, abgespalten von der eigentlichen Stoßrichtung (gegen Islamisierung) plötzlich etwas für „direkte Demokratie“ zu tun beabsichtigen und NEBEN dem eigentlichen Termin einen eigenen Termin ins Leben riefen.

Deutlich wird, dass nach dem Wegbrechen der Führung (Bachmann etc., nicht näher darauf eingehend) auch die Bewegung selbst zu eruieren „droht“. Anders als in Österreich, den Niederlanden oder Frankreich fehlt es in Deutschland an einer Person, die dauerhaft das Verlangen eines großen Teiles der Bevölkerung nach, nennen wir es vorsichtig „RECHTSPOPULISMUS“, bedienen, sie führen kann.

Undenkbar wäre es in den (als Beispiel) genannten Staaten, dass ein RECHTSPOPULIST zurücktritt. Vielmehr hätte er es in den Ländern geschafft, die gegen ihn gerichtete Aggression in eine Gegenaggression umzumünzen. Einen Angriff auf seine Person als Angriff auf die „BEWEGUNG“ umzudeuten. Das „fehlt“ in Deutschland, noch.

Was aber in jedem Fall ein Ergebnis von Pegida ist, ist der Versuch, oder besser der schon als gelungen anzusehende Versuch, der AFD, sich als legitime Vertreter der ´gidas zu präsentieren. Abgefragt nach der Wahlpräferenz liegt die AFD bei diesen Menschen inzwischen bei fast 90%.

Dies bedeutet, dass zukünftig, Pegida, durch die „Hintertür“, mit einer starken parlamentarischen Kraft repräsentiert werden wird.

Des Weiteren versuchen die bürgerlichen Parteien (und hier muss man eindeutig auch die SPD dazu zählen) die Themen der Menschen, ihre Ängste, ernst zu nehmen.

Es wäre angebrachter, dass man die Menschen „respektiert“, aber ihnen ganz klar zu verstehen gibt, das ihre Themen, ihre Meinung einfach „bullshit“ sind. Dies geschieht weitgehend nicht.

Pegida mag von den Straßen verschwinden. Pegida machte jedoch deutlich, welches Gedankengut in den Köpfen der Menschen vorhanden ist. Pegida zeigt weiter, dass eine (deutsche) Bewegung erst am Ende ist, wenn ihre Führung verschwindet, sich zerstreitet. Pegida zeigt, dass ein charismatischer RECHTSPOPULIST es in Deutschland vermag, mit egal welchem Thema (hier ISLAM) eine heterogene rechtskonservative, nationalistische, xenophobe, homophobe und antisemitische zu einen.

QUO VADIS?

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